// 09.04.18 // 07:00 //

Im Weltall kann man nicht spucken, sagt Rubi und ich frage mich, wie sie darauf kommt, dass man erstens im Weltall sein will und zweitens dort auch noch spuckt. Ich denke, dass es etwas mit Timos Interesse an schwarzen Löchern zu tun haben muss, denn Rubi ist Timos Tochter, und Timo hat gesagt, dass der National Geographic-Artikel über Stephen Hawking ihn schlecht abgeholt hat, auch, weil er trotz des populärwissenschaftlichen Duktus dieses Magazins dann doch zu schulmeisterlich daher kommt. So hat er es nicht gesagt, aber gemeint hat er es, glaube ich, schon so.

Ich bin Babysitter heute und finde das ok, weil Rubi cool ist. Um fünf Uhr morgens wird sie kurz wach und weint, weil nur der Onkel da ist, die Eltern aber nicht. Ich kann sie aber motivieren, sich nochmal hinzulegen, natürlich auch, damit ich das Gleiche tun kann. Beim Puzzeln darf sie fünf von sechs Tieren selber legen und ich mache nur das letzte selbst, weil ich auch Bock habe zu puzzeln. Sie ist unzufrieden damit, weil sie gerne alles alleine puzzeln will. Das akzeptiere ich aber nicht.

Ein heimliches Nutellabrot führt zu einer Übereinkunft des Schweigens, einer Omertà gegenüber den Eltern. Auf keinen Fall darf ich verraten, dass wir Nutella gegessen haben, und ich werde es auch nicht verraten, niemals. Gestern haben wir zusammen Fritt gegessen und ich erinnere mich an Stefan, der öfter zitierte: Wow, ist Fritt ein Kau. Rubi erklärt mir die Kanalisation. Sie kann das Wort nicht richtig aussprechen, weiß aber bereits, dass sich die Kanalisation unter der Straße befindet und dass dort das dreckige Wasser drin ist. Sie scheint sich nicht für die offensichtlichen Ebenen zu interessieren, sie will nach unten oder nach oben denken, wahlweise ins Weltall oder in die Kanalisation, und es stellt sich natürlich die Frage, inwiefern diese gedachten Räume Ähnlichkeiten aufweisen, die das Interesse an diesen motivieren. Fest steht, dass sie sich beide von der Ebene unterscheiden, die wir als normal bezeichnen würden, implizit als gegeben annehmen würden und ich sehe hier das Potenzial einer Vierjährigen, eine naive Erkenntnistheorie zu entwickeln, die darauf fußt, sich die Welt nach oben oder unten zu denken. Vielleicht ist es aber auch Timo, der diese Gedanken in sie einschreibt, und Rubi – dem folgend – hört natürlich auf die Eltern, weil sie ein braves Kind sein will und damit wir heimlich kollaborieren können.

Wenn man genug Luft bekommen würde, könnte man sicher auch im Weltall spucken, sage ich und sie nickt zufrieden, um dann eine Frage über die Möglichkeiten des Atmens im Weltall anzuschließen. So ist das, wenn eine vier ist und der andere zweiunddreißig: Keiner weiß irgendwas Genaues über das Weltall, und für die Kanalisation hat sich dieser Hawking nicht interessiert.