// 19.04.18 // 07:24 //

Bei Bally sitzen zwei Amerikanerinnen und möchten Getränke bestellen. Der Typ kommt raus und notiert, was die Kundschaft ihm diktiert. Bestellt werden one coke and one diet coke. Der Typ, der die Bestellung aufnimmt, notiert ok, eine Cola und einen Döner. Als eine dritte Amerikanerin hinzu kommt, sagt diese beim Blick in das Menu, oh, that‘s all german. Der invertierte spahn‘sche Duktus wird gepflegt. Was ich aber eigentlich sagen will, ist:

Männer sind alle Arschlöcher und ich habe kein Bock mehr auf die. Ich habe beschlossen, nur noch mit Frauen abzuhängen.

Wenn ich das sage, fragen mich Soziologen: Oha, Gerschom, meinst du wirklich Frauen oder möchtest du mit den gesellschaftlich konstruierten weiblichen Verhaltensweisen abhängen? Das ist natürlich korrekt, dass man mich das fragt, entlarvt aber gar nix durch den Versuch, irgendwo zu differenzieren, an einer beliebigen Ecke. Ich meine das eher strukturell. Meine Entscheidung steht auf jeden Fall.

Struktureller Antisemitismus im HipHop wird mir in einer WDR-Doku präsentiert. Bin ich jetzt so jemand, der nach der Arbeit nach Hause kommt und sich alleine was anguckt? Das werde ich schön vermeiden. Die Vice-Doku über Lil Xan haut mich auf jeden Fall mehr um. Wenn ein Vater über den Drogenkonsum und die Gesichtstattoos seines an einer Angststörung leidenden 21 jährigen Sohnes wohlwollend hinwegsieht, vlt. auch, weil seine Frau aufgrund einer Osteoporose erst schrumpfen und dann gelähmt sein wird, ergibt das Sinn. Über die Facetatts wird gesagt: When I do this, there is no way back. Einer von Xan‘s Freunden hat einfach Anne Frank auf der Wange tätowiert. Geht das: Facetattoos haben und Psychotherapeut sein?

Anyway, Lil Xan ist keine Frau, ich halte mich also zurück und pumpe Cardi B. Ich durfte gestern das erste Mal den Aufzug im Treppenhaus des Gebäudes nutzen, in der die Gemeinschaftspraxis meines Therapeuten ist. Er ist von 1916 (der Aufzug, nicht der Therapeut). Ich habe ihm gesagt, wissen Sie, ich würde echt gerne mal Ihren Aufzug benutzen, und er hat gesagt, Herr Studer, das machen Sie jetzt auch, und hat ihn mir aufgeschlossen. Für die Gehbehinderten schließe ich immer auf, sagt er und ich lache und sage, dass ich ja nur psychisch behindert bin. Scherzend verlasse ich die Gemeinschaftspraxis und fahre nach Hause: mit dem Aufzug, dem Bus und der Bahn.

Du hast mein Gesicht als Facetat.